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Todessehnsucht

Kurzzusammenfassung:

Alexis Machine ist ein Mann, der seinem Leben die Aufgabe gestellt hat, Menschen zu erlösen. Die Erlösung und in welchem Zusammenhang er sich dabei sieht wird im Prolog schon deutlich. Alexis ist ein Mörder, der sich selber aber nicht als ein Solcher auffassen möchte. Die Geschichte spielt in mehreren Zeitebenen. Einmal, wie der Prolog, in der Gegenwart, in welcher Alexis Schriften und Werke aufgerollt und unter psychologischen Aspekte, mal mehr, mal weniger, erläutert werden. Die andere Ebene, ist die Vergangenheit, in welcher der letzte Mord des Killers aufgezeigt wird. Nach diesem Mord, verändert sich Alexis Denken und er wird vom Erlöser, zu einem Menschen, der erlöst werden möchte.


Prolog

Auszug aus den Archiven des Hochsicherheitstrakts der Justizvollzugsanstalt Colorado Springs, Florida. Archiv Nr. 3, Insassennr.. XY 336 Name: Alexis Machine.
Überstellt werden die Archive der psychologischen Fakultät der Harward Universität, zu Händen Professor Miller.

Auszug aus „Der Mensch und Ich“, von Alexis Machine, Haftanstalt Colorado Springs, 2000-2008; Seite 61-68. geschrieben auf Papierfetzen und den Zwischenräumen der Schrift in der Zellenbibel.

„Der Mensch ist geboren worden um sich selber Leid zuzufügen, welches er braucht um zu wissen, das er lebt. Der Mensch existiert nur aus einem Grund und das ist, Leid zu erleben und Leid zu geben. Schmerzfreiheit ist das gleiche Trugbild wie das, der Unsterblichkeit des Menschen. Ein jeder leidet, selbst wenn er sagt er leidet nicht, fühlt er Schmerz, weil er nicht leiden kann. Ich finde, wie viele andere es sicher nicht finden werden, das diese Überlegung genial ist. Man bedenke was der Mensch tut, wenn er geboren wird und was passiert wenn er dies nicht tut. Er schreit und beklagt sein in diese dumme Welt geworfene Seele. Er trauert um sich, da es nun Gefangener ist, in dem gigantischen Leid, was uns alle umgibt. Schreit der Mensch nicht, wird er von einem Mann im weißen Kittel geschlagen. Er leidet nun doch und erkennt den Hass den die Welt und die Existenz in ihr mit sich bringt. Er wird in die Realität des Seins eingeführt, indem er es entweder selber erkennt oder man es ihm zeigt, das Leid. Wir werden geboren um zu leiden und wir leben um zu leiden. Das Ende des Leides ist die Existenslosigkeit, der Tod, die Vernichtung allem, was einem als Menschen definiert. Der Mensch ist dabei auch der Schmerz in sich selber und wird dieses nur durch diesen Vernichtung seiner Selbst verlieren. Es gibt nur einen Frieden für alle und das ist das Ende, die Vernichtung, der gesamten menschlichen Rasse. Den sobald es wieder zwei gibt, oder lassen wir es nur einen sein, so wird dieser die Umwelt wieder schänden, wieder gehen wo er will und wieder und wieder seinen Machthunger über die Erde verbreiten. Darum muss der Mensch erlöst werden. Von selber dauert es zu lange, bis der Mensch seine Lüge einsieht.
Ich habe bei 76 aufgehört zu zählen, wie viele Menschen ich erlöst habe. Meine Erlösung war immer kostenlos, auch wenn sie teuer war. Ich hatte kein Muster, kein Schema, wie die anderen Todeskandidaten in diesem Trakt. Ich war einfach da und nahm mir, wen ich kriegen konnte. Ich habe viele Obdachlose gesehen, wie sie mich angefleht haben, dass ich sie befreie. Aber ich habe auch den ein oder anderen Makler oder Bankier vor mir gehabt. Alle weinten sie, knieten nieder, bluteten oder fühlten Schmerz. Dann baten sie darum. Jeder bittet darum. Es ist eine Frage der Zeit bis sie darum bitten. Ich habe sie erst leiden lassen, bis ihr Leid groß genug war, um sie dann zu befreien. Ein jeder muss seinen Zoll zahlen, nicht an mich, sonder an das Leben, um Einlass zu bekommen, in die Welt, wo wir keine Menschen mehr sind und damit auch nicht mehr von Leid und Schmerz geprägt. Ich sitze in dieser Zelle und bezahle so meinen Zoll. Die anderen 53 warten genau wie ich, bis dieser Zoll gezahlt ist. Dann werden wir durch die staatliche Maschinerie des Todes dahin gehen werden. Dann ist meine Aufgabe zu Ende, mein Lebenstraum erfüllt. Das einzige was mich stört, ist die Spritze. Ich bevorzuge es altmodisch, mit dem Strang oder der elektrische Stuhl. Am liebsten würde ich aber am Leben bleiben, mit allem Schmerz den sie mir zufügen wollen. Ich habe schon oft Briefe an den Anstaltsleiter geschickt, aber ich denke das er nicht so gerne von Klopapier liest, sondern liebe von doppelt gebleichten Papier, das seinen Ansprüchen auch gerecht wird. Jedenfalls, und das ist zum Glück sicher, wird der Erlöser bald erlöst. Die 53 anderen Insassen denken sicher sie seien Mörder, weil ihnen der Richter das eingeredet hat. Ich für meinen Teil betrachte sie auch als Götter. Den ich und sie richten über das Leben. Das Leben ist gottgegeben und ich nehme es mir einfach heraus dieses Leben zu nehmen. Ich bin ein Gott, der einzig wahre...“

Aus den Aufzeichnungen von Prof. Dr. Miller. Leiter der psychologischen Fakultät von Harward:

Alexis Machine ist ein unglaublicher Mann. Wenn man den Notizbüchern des Gefängnispsychologen glauben schenken kann, hat er, also Alexis, immer ruhig und gelassen seinem Tod entgegen gesehen und immer wieder beteuert, das er es gerecht finde, was mit ihm passieren würde. Er sagt wohl aber auch, das er keinerlei Reue empfindet. Was so erstaunlich ist, das Machine in der ganzen Zeit die er im Gefängnis verbracht hat, keinen Insassen angesprochen haben soll. Er sei immer auf seiner Zelle gewesen und hätte Möglichkeiten gesucht, sein ganzes Leben nieder zu schreiben. Alexis hat bis zu seinem Tod am 22.5.2008 über dreiviertel seines Lebens nieder geschrieben. Dabei hat er nicht nur die Wände seiner Zelle, sondern auch Klopapier, die Zellenbibel, die Bettwäsche, seine Häftlingskleidung oder seinen Körper benutzt. Die Seiten 101-102 seines wohl beeindruckendesten Werkes, „Der Mensch und ich“, befinden sich gänzlich auf dem linken und rechten Arm. Erstaunlich ist auch, mit welcher Präzision er manche Begebenheiten, vor allem aus seiner Kindheit widerspiegeln kann. Ich denke ich werde noch Wochen brauchen um mir einen groben Überblick zu verschaffen, was dieser Mann alles getan hat. Zum Glück hat er es irgendwo alles stehen und es ist außerdem alles sehr genau zugeordnet. Bei jedem Stück Text steht darüber, welchem Buch und welcher Seite man es zuordnen soll.
Ich werde bis Morgen von Stevens eine Liste aller Werke bekommen, aber bisher kann ich die Zahl der Seiten auch auf über 100.000 schätzen. Wenn man bedenkt, das er 8 Jahre in der Zelle saß und nur geschrieben, geschlafen und gegessen hat, könnten es um so mehr sein.

Harward, 7.Juli/08

Auszug aus dem Autopsiebericht vom 24.5.08. Name des Toten: Alexis Machine. Häftlingsnummer: XY 336

„Name: Dr. Simpson. Autopsiebeginn ist 13 Uhr und 23 Minuten. Der Tote ist ein männlicher Weißer, 46 Jahre alt. Todeszeitpunkt war der 22.5.08 um 20 Uhr und 2 Minuten. Der Tod wurde von Dr. Floens festgestellt und von der Gefängnisleitung bestätigt. Beginne mit der Beschreibung des Toten. Schwarze Haare, tiefe blaue Augen. Es handelt sich um ein Gesicht mit normalen Proportionen, kein Übergewicht. Die Nase des Toten ist schief. Auf dem Nacken ist ein seltsamen Symbol eintätowiert, welches einer Mischung aus Davidstern und Hakenkreuz ähnelt. Die Arme sind mit einer Art Text ebenso tätowiert wie der gesamte Bauchbereich und der linke Oberschenkel. Auf dem rechten Oberschenkel steht ein Gruß an seine Mutter, mit dem vermerk, das wenn sie noch lebt, man sie in einem Sarg irgendwo auf dem St. Martins Friedhof in Castle Rock, Maine findet. Ich sollte das an die Wachen weiterleiten. Des weiteren sind keine Auffälligkeiten zu erkennen. Der Körper scheint frei von Narben zu sein, bis auf einer kleinen Narbe, die sich an der linken Seite der Stirn befindet. Laut dem, wie ich trauriger Weise wiedermal feststellen musste, sehr kurzem Bericht der Gefängnisleitung, geht hervor, das diese Narbe schon bei seiner Inhaftierung dort gewesen sein muss. Er ist außerdem Linkshänder. Ich merke an, das die Leiche in einem guten Zustand ist. Keine beunruhigenden Sachen fallen mir auf. Das einzige was mich ein wenig ängstlich macht, ist das Grinsen, welches sich auf dem Mund des Toten wiederzuspiegeln scheint...“

Los Angeles - Vergangenheit

Das Hilton in Los Angeles gehört zu den führenden Hotels, wenn es darum geht fette, reiche und arrogante Männer und Frauen aufzunehmen, welche die Shoppingmeilen, Bordelle und edel Restaurants dieser Großstadt ausprobieren und genießen möchten. Zu diesen Männern und Frauen gehörte der sehr unfeministische Charly Cleverland, welcher als der zurzeit reichste Waffenhändler der Welt gehandelt wurde. Er war der Chef der größten Waffenproduktion in den USA und wollte hier im schönen L.A. Ein paar Tage ohne seine Frau verbringen, die, wie er wusste, wahrscheinlich gerade mit Alfredo, seinem italienischem Butler, eine Nummer im Hauspool schob. Außerdem wollte Charly in dieser Stadt einen Typen aus Europa treffen, der für irgendwelche Untergrundorganisationen arbeitet und Waffen „weiterleitet“. Charly war relativ egal was der Kerl wollte und wofür, Hauptsache war es brachte ein bisschen Geld in die Kasse. Dieses Geld, würde Mr. Cleverland aber leider nie mehr zu Gesicht bekommen, der er lag tot und regungslos auf dem Bett der Präsidenten-Suite im obersten Stockwerk des Hotels. Auf seiner Stirn sollte man später drei Einschusslöcher finden, die sehr symmetrisch angeordnet ein Dreieck ergaben. Außerdem würde man feststellen, das seine Beine gebrochen waren und ihm auf wundersame Art und Weise die Zunge fehlte. Wenn das Zimmermädchen in 7 oder 8 Stunden die Betten machen möchte und die Leiche findet, wird sie aber das entschiedenste Detail, das den Täter sofort identifizieren würde, übersehen. Denn auf der Rückseite der Eingangstür, war mit schwarzem Filzstift ein Symbol gemalt, welches eine Mischung aus Davidstern und Hakenkreuz darstellte. Darunter stand in großer verkrickelter Schrift:

Einer noch! Der Erlöser kehrt nach Haus zurück!
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Kapitel 2 - Moonlight Sonata

Chicago – Vergangenheit

Keine 20 Meilen von Chicago entfernt liegt die keine Vorstadt Metropole Lake Zurich. Das kleine beschauliche Städtchen hat, wie jede Stadt in den USA, seinen eigenen Sheriff, Bäcker und Postboten, einen Arzt, viele kleine Geschäfte und, was in diesem Fall noch dazu kommt, viele ungenutzte Lagerhallen, welche nach ende des Wirtschaftsbooms nicht nur von Arbeitern befreit worden waren, sondern auch von den zig klickernden und klackernden Maschinen, welche Sachen für den allgemeinen Gebrauch herstellten oder einfach nur irgendwelche Arbeitsaufträge durchführten, die dem Menschen zu lästig wurden. So manch eine Lagerhalle stand schon seit mehr als 40 Jahren leer. Zwar gab es noch Besitzer der einzelnen Objekte, aber meistens waren diese im ganzen Land verstreut, hatten sich anderswo anders angesiedelt und wussten noch nicht mal, dass in Lake Zurich eine Lagerhalle darauf wartet einzubrechen, aufgrund mangelnder Instandsetzungsarbeiten. Viele dieser Dinger wurden außerdem der Stadt überschreiben weil zig Erben nicht rechtzeitig ihre Unterschrift unter die Erbunterlagen gesetzt hatten. Vielleicht haben sich viele gefragt, was sie mit einer 7.500 m² großen oder noch größeren Lagerhalle machen sollen. Tagsüber glichen die Betonklötze unschönen Skulpturen, die in die Landschaft um den kleinen See gesetzt worden, welcher Namensgeber für die Stadt gewesen war. Nachts, so wie es jetzt der Fall war, schien in der Stadt nichts mehr so zu sein wie am Tag. Der blaue See, welche von oben betrachtet die Seele der Stadt zu sein schien, wurde zu einem schwarzen Tümpel, der mit seinem blubbern und glucksen eine schaurige Stimmung an die Strände seiner selbst brachte. Der nahe gelegene Wald wurde des nachts von einer Mystik erfüllt die so eindringend war, das man selbst in dieser von Wölfen befreiten Gegend, den Atem eines Raubtieres im Nacken zu spüren schien. Auch der Lions Park, in welchem tagsüber die Kinder dem Baseballspiel nachgingen, schien seinen glücklichen Zauber und die Seelen der Kinder verloren zu haben, die ihn am Tage nicht nur durch die Sonne erhellen ließ. Nun, wo die Helligkeit des Tages gewichen ist, scheint jede Base, jeder Grashalm, jeder Fleck auf diesem Platz so unwirklich zu sein, wie es eigentlich kaum möglich sein sollte, wenn man ihn am Tage zu Gesicht bekäme. Romantiker mögen vom Gegensatz zwischen Tag und Nacht sprechen und den Mond als Kontrast zu Sonne bezeichnen und mit dem Gesamten hin und her der romantischen Welt versuchen diese Begebenheiten zu beschreiben, doch, hier, in diesem Fall, ist eine Erklärung, warum es zu diesen Gefühlen in so mancher Nacht kommt, ungeklärt und unerklärlich. In solch einer Nacht, wo genau diese Dunkelheit die Stadt umhüllte und wo jeder in der Stadt, auch wenn er es nicht wahrnimmt, die Tür doppelt verriegelt, den Hund nach drinnen mit hinein nimmt zum Schlafen und die Vorhänge versucht möglichst dicht zu schließen, wurde Alexis Machine geboren.

Die Geburt mag kein besonderes Ereignis für die kleine Stadt gewesen sein. Doch, für die Mutter des Jungen, die am Tag der Geburt, vor rund 20 Jahren aus dem fernen Moskau nach Amerika gekommen war, sollte es ein Tag sein, den sie erst vergöttern und später bereuen würde. Alexis verbrachte eine Kindheit in einem normalen Haushalt der USA. Er hatte stets etwas zum anziehen, etwas zu essen und zu trinken. Wobei es ihm mangelte, waren von Anfang seines Lebens an Freunde oder Gleichgesinnte und Gleichdenkende. Manchmal dachte Alexis er sei dafür verdammt worden geboren worden zu sein und hätte darum so wenig Erfolg bei anderen Menschen. Andere hatten auch diese zwischenmenschlichen Kontakte gefunden, die er so hasste und so liebte. Manchmal verstand er nicht, warum er sich nach etwas sehnte, was er kennen wollte, aber doch, was ihn gar nicht interessierte. Später, würde er das alles mal in einem Buch niederschreiben, was Jahre später ein gewisser Dr. Miller vor sich haben würde um es zu studieren.

Alexis machte seinen Abschluss mit Auszeichnung. Über seine Schulzeit gibt es wenig zu berichten. Er war immer der Außenseiter und war immer der komische Kautz, der es lustig fand seine Aggressionen an dem Mobiliar der Schule auszulassen. Meistens übertrug er auch die Hänseleien seiner Mitschüler auf die Klassenstufen unter ihm. Einmal hatte er einem drei Jahre jüngeren einen Stift so hart in die Seite gestochen, das dieser eine Wunde oberhalb der linken Hüftseite hatte, die langsam Blut in sein weißes T-Shirt laufen ließ. Alexis musste bei dem gekreische der Kinder immer grinsen. Er selber wusste, was es heißt Leid zu erfahren. Er wurde zu Hause nur noch geschlagen. Seine Mutter verwehrte ihm jegliche Liebe. Als er einmal mit einem blauen Auge nach Hause kam, wurde er nochmals verprügelt. Er hasste seine Mutter nicht. Jedenfalls konnte Alexis sie verstehen. Er fühlte sich selber schwach, hilflos und verloren, wenn er sich eingestehen musste das er gegen fünf andere, gleichaltrige und gleichstarke Gegner keine Chance hatte. Alexis fing insgeheim mit Kampfsport an. Da er kein Geld hatte um sich das zu bezahlen bot er dem Meister seines Karate Dojos an für diesen die Hausarbeit zu machen. Meister Li, welcher ein sehr ehrbarer aber auch einsamer Mann seit dem Tod seiner Frau war, fand das Alexis nicht nur begabt, sondern aufgrund seines Angebots auch sehr edel war. Er ließ Machine bei sich anfangen und Alexis lerne mehr als alle anderen, da er jeden zweiten Abend, bevor er von seinem neuen Meister nach Hause wanderte noch mindestens 20 Minuten mit dem Meister im Zweikampf übte. Das, so wusste er, war die glücklichste Zeit, die er hatte. Er war damals 14 Jahre alt. Hier begann die Zeit, wo er auch anfing, sich für die Religion, die Philosophie und die verschiedenen Ansichten der Ideologien zu interessieren. Mit 16 Jahren hatte er „mein Kampf“ zum zweiten oder dritten Mal gelesen und war immer noch erstaunt, angewiedert und belustigt zu gleich. Zudem hatte er Kafka studiert, die Lehren von Marx, die Ansichten der Reformatoren Hus und Luther, aber auch die der Päpste wie Johannes dem 12. Bis er 18 war hatte er zwei Menschen getötet. Einer davon war der Typ, den er vor mehr als 5 Jahren den Bleistift in die Seite gerammt hatte. Der andere war jemand den alle nur Jason nannten, der aber in Wirklichkeit Jean-Jaque hieß und seine Mutter für seinen echten Namen hasste. Beide Morde wurden Alexis nicht angerechnet, bis er sie in seinen Memoarien erwähnte. Mit 19 Jahren bekam er den schwarzen Gürtel in Karate und verschwand dann für mehrere Jahre von der Bildfläche, bis er mit 31 Jahren wieder kam um seine Mutter zu besuchen und den einzigen Menschen, der es vielleicht wert war, ihn Freund zu nennen.

Dieser Freund, war Michael Brown. Michael hatte sich nach dem Abschluss an der staatlichen Hochschule in Chicago mit einem kleinen Geschäft in Lake Zurich niedergelassen und verkaufte Anglerzubehör und Gartenwerkzeuge. Er hätte mit seinem Abschluss auch weiter gehen können und heute Professor oder Doktor sein, aber er genoss sein Leben. Seine Philosophie war, das man auch ohne Geld glücklich sein kann und das lebte er gänzlich aus. Einmal die Woche ging er zum Grab seiner Oma und seines Vaters, danach meistens Enten am Echo Lake füttern und die restliche Zeit verbrachte er damit sich um seine Frau und Tochter zu kümmern oder den Kindern im Lions Park beim Baseball spielen zuzusehen. Sein Leben war das eines normalen mittelständischen amerikanischen Bürgers. Manchmal wünschte er sich ein bisschen Action in seinem Leben, konnte dann aber doch meistens drauf verzichten, denn durch Action entsteht die Gefahr, das man sich verletzt. Das klingt natürlich so, als ob Michael der größte Feigling auf der Welt wäre, was aber mal gar nicht so abwegig ist. Schon früher hatte sich Michael nur hinter einer Person versteckt. Jetzt versteckte er sich hinter seinem Geschäft und der Pistole die unter seinem Ladentisch lag. Damals war es Machine („Hieß er wirklich Machine? Komischer Name eigentlich?“) der seine Pistole war. Dafür war Brown der Laufbursche. Das machte ihm aber nichts aus, den nach einiger Zeit schienen er und Alexis („Oder war es Alexander?“) so gut zu verstehen, dass beide so etwas wie Freunde wurden. „So etwas“ ist dabei einzusetzen, da die Freundschaft immer noch von Alexis bestimmt worden war und Michael immer der schwächere Charakter dieser Beziehung war. Man könnte sagen, das Machine die Hosen an hatte. „Warum waren wir eigentlich so passend zueinander?“, hatte sich Michael oft gefragt, nachdem Alexis („Alexis?“) abgehauen war. Als er ihn dann einmal besucht hatte („Oh Gott, wann war das eigentlich noch mal?“) hatte Michael sich an alles erinnert, was damals passiert war. Die Leute die ihn gehasst hatten und ihn das zu spüren gegeben hatten waren der Grund für diese Gemeinschaft. Kinder können grausam sein. Auch Jugendliche in ihrer Naivität können mit Messern umgehen und, was sicherlich viel schmerzender ist, mit Worten, die sie in ihrer Kindlichkeit nicht mal mit bedacht, sondern einfach aus Spontaneität heraus jemanden an den Kopf werfen. Die Narbe an seinem Oberarm, die tiefe Schnittwunde, die mit mehreren Stichen genäht wurde, hatte seinen Zauber der Vergangenheit noch nicht verloren. Doch auch die böse und dunkle Magie der Worte brannten sich bei jeder Erinnerung daran wieder in seine Seele ein. Michael war ein herzensguter Mensch, der aber leider durch sein Übergewicht und seine Fähigkeit zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, seine Kindheit damit verbracht hat weg zulaufen. Jedenfalls bis Machine mit 16 Jahren erschien und Michael beistand, als Jason und zwei seiner Mitläufer sich auf ihn gestürzt hatten. Danach war Alexis („Ja, doch, es war Alexis.“) bis zu seinem Weggang der Mensch, der nicht nur der war dem er sich anvertraute, sondern der ihn auch beschützte. Bei dem Besuch an sich passierte nicht viel. Die beiden saßen eigentlich nur dreißig Minuten in Michaels Küche und tranken einen Kaffee. Alexis bedankte sich bei Brown für alles was er je für ihn getan hatte („Was hab ich für ihn getan?“) und ging dann schnell wieder und fuhr in seinem schwarzen Mustang davon. Das letzte was er seitdem von Machine gehört hatte waren seine Abschiedsworte: „Wenn ich das nächste mal komme, erlöse ich dich, mein Freund.“ Was das zu bedeuten hatte wusste Brown bis heute nicht, aber er hoffte, das Alexis nicht irgendwas religiöses damit meinte, den mit Religion konnte Michael gar nichts anfangen. Laut seiner eigenen Aussage ist Machine danach weiter zu seiner Mutter gefahren. Brown ging wieder nach vorne in seinen Laden, wo er ein paar Jahre auf die Rückkehr wartete, die ihm versprochen wurde. Machine kam mit 37 Jahren zurück. 6 Jahre nach diesem Treffen. Im übrigen ist es genau die beschriebene Nacht, diese Nacht, in der er zurückkommen wird. Während Brown in seinem Bettchen schlummert ist der Mustang nur noch 20 Meilen von Lake Zurich entfernt. Und er bringt nicht nur Regen mit sich.

Nach dem Besuch bei seinem Freund zog es Machine zu seiner Mutter. Bei diesem Treffen, welches insgesamt 5 Minuten dauerte, hatte Alexis nur eine Frage, die er sich als Kind nie getraut hatte zu stellen. Die kleine Wohnung im Erdgeschoss des einzigen Wohnkomplexes in Lake Zurich war immer noch genau so unaufgeräumt, von außen verdreckt und vom Gefühl her einfach bedrückend. Alexis trat ein und umarmte seine Mutter. Im Gegensatz zu den Dirnen, die er sich ab und an leistete, war sie kalt und unpersönlich. Alexis nannte sie Dirnen, weil er Worte wie Hure oder Nutte einfach nicht im Stile eines Erlösers fand. Er hatte auch mal einen Freier mit einem Lötkolben klar gemacht, wie man sich zu verhalten hatte. Denn die, die man kauft, sind immer noch seine Schafe und darüber redet man nicht abwertend.

Wie ein Geschwür oder Tumor betrachtete seine Mutter ihn nun aber, als er in der Mitte des kleinen Wohnzimmers stand.
„Hallo, Mutter“, sagte Machine.
„Was willst du hier?“, entgegnete sie ihm.
„Nichts, ich wollte dir einen Besuch abstatten, sehen wie es dir geht, was du machst.“, antwortete Alexis.
Seine Mutter reagierte nicht weiter. Sie ging in die Küche und fauchte ein leises „Geh!“ in seine Richtung. Machine konnte nicht gehen. Er war hier um wenigstens eine Antwort auf seiner Reise in die Vergangenheit zu bekommen. Das war der Moment, wo er seine Mutter zum ersten Mal danach Fragte und überhaupt das letzte Mal das er sie irgendwas fragte. „Wer ist mein Vater?“, sagte Alexis.
Aus der Küche hörte man nur das Fallen und zerschlagen einer Tasse und das Geräusch, wenn Kaffee langsam über den gefliesten Boden der Küche rinnt und jemand mit seinen Hausschuhe langsam durchpatscht. Seine Mutter erschien an der Tür, in der linken Hand eine Zigarette in der anderen nichts. Sie kam langsam auf ihn zu. „Sprich nicht von deinem Vater, das habe ich dir schon zu oft gesagt!“, schrie sie.
„Nein“, dachte Machine, „du hast ihn nie erwähnt und ich habe nicht gefragt.“
Machine lehnte seinen Kopf zu Seite und starrte seine Mutter ungläubig an. „Hör mir zu. Ich bin hier um zu wissen wer mein Vater ist. Er ist jemand, den ich das Geschenk der Erlösung bringen muss, genau wie deine Zeit kommen wird in der du erlöst werden sollst. Lass das nicht jetzt geschehen Mutter. Ich warne dich, ich werde Gott sein, wie ich es immer war, du kannst mich nicht aufhalten. Also, sprich! Wer ist mein Vater?“ Er sprach langsam, deutlich, ruhig, aber mit viel Nachdruck. Seine Stimme schien zu beben, obwohl sie sanft dahin wog.
Seine Mutter starrte ihn verwundert und verwirrt an. Dann griff sie, wohl mehr aus Angst als aus Verstand, nach dem Brieföffner, welcher auf der Kommode zu ihrer rechten lag und schnappte sich diesen mit der freien Hand und rannte auf ihren Sohn los, um ihn zu stechen. Machine lachte in den paar Sekunden die seine Mutter brauchte auf und starrte sie mit einem Gesicht aus Zufriedenheit und Hass an. „Dumme Frau. Die du mich in dir trugst“, dachte er. Während sie die drei Schritte zu ihm machte, hatte er schon alles ausgerechnet und ausgeplant. Er packte ihren Arm und drehte den Brieföffner von sich weg. Dabei stellte er ihr ein Bein, schnappte sich mit der anderen Hand ihren Hintern und brachte so viel Schwung in seine Mutter herein, dass sie, an Alexis vorbei geschleudert, mit dem Kopf zuerst, mit voller Wucht gegen die Zimmerwand schlug und man ein lautes Knacken vernahm. Sie lebte noch. Alexis wusste das. Er packte sich seine Mutter und trug sie über der Schulter aus dem Zimmer nach unten und warf sie unsanft sie in den Kofferraum seinen Mustang. Einmal hatte er vergessen, das dieser Luftdicht abgeriegelt war und er musste eines seiner Schafe tot aus dem Käfig befreien und konnte ihm die wahre Erlösung gar nicht mehr zu teil haben lassen. Daher hatte Alexis auch Luftlöcher in die Tür zum Kofferraum gebohrt, um nicht noch einmal solch einen Fehler zu begehen. Er ging noch einmal nach oben in die Wohnung und schloss alles gründlich und sauber ab und hinterließ der Nachbarin einen Zettel mit der Aufschrift: „Spontan verreist! Bis nächsten Monat“ in deren Briefkasten zurück. Die ganze Aktion wurde von keiner Menschen Seele beachtet. Wenn, hätte Alexis das gewusst und der oder diejenige würde seiner Mutter hinten im Kofferraum Gesellschaft leisten. Dann ging Machine nach unten, setzte sich in sein Auto und machte sich auf den Weg nach Maine, wo er seine Mutter in einer Kleinstadt mit dem Namen Castle Rock, nicht viel größer als Lake Zurich, lebendig begraben sollte. Später ließ er sich in der gleichen Stadt bei einem vollbärtigen Rocker mit Sonnenbrille ein Tattoo auf den rechten Oberschenkel tätowieren, mit einer Beschreibung, wo seine Mutter zu finden sei. Der Tätowierer war im Übrigen jemand, der als nächstes Spurlos verschwinden sollte. Seine Leiche würde man nicht finden, außer man sucht sehr genau in der Kanalisation von Augusta. Wobei die Ratten ihn sicherlich schon mehr als zerfressen haben. Als dem Rocker das Messer in die Brust gerammt wurde, war es Nacht in Lake Zurich.

Es war immer noch Nacht, als der Mustang nur noch 10 Meilen vor der kleinen Stadt war. Es ging vorbei an den alten Lagerhallen, die aussahen wie schlafende Riesen, schwerfällig und gigantisch. Alexis Machine näherte sich unweigerlich seiner letzten Aufgabe. Er wusste noch nicht, das es seine letzte Aufgabe war, aber die Geschehnisse die in den nächsten 24 Stunden passieren würden, sollten ihn dazu bringen, sich umzudrehen („Freiheit! Ich habe es geschafft! ... Bin ich frei?“). Zurzeit grinste er noch und guckte ab und an auf den Zettel mit der Adresse seines letzten Schafes. Er nannte sie gerne Schafe, weil das so göttlich klang. Opfer wäre auch viel zu abwertend. Opfer waren Menschen die gepeinigt werden. Zwar war Machines Tat auch eine Pein, aber es überwog doch mehr der Gedanke von Freiheit, den er seinen Schafen brachte. In seinem Radio lief irgendwelche Rock Musik. Er war ein Musikfan, vor allem von Klassik oder Opern. Gerade wurde aus dem Radio, Alexis wusste, das es Deutsch war, weil er das ein bisschen konnte, die Worte: „Mein Herz brennt....“ geschrien. Machine hörte das Lied nur wegen den Geigen die darin vorkommen. Er drückte auf den Knopf zum vor spulen. Beethovens Mondscheinsonate klang aus den Boxen des Mustangs. Machine musste wieder anfangen genüsslich zu grinsen. Vor sich erhob sich die Kleinstadt Lake Zurich in all ihrer Pracht, die sie in der Dunkelheit hatte, so fand Machine. Bei Tag hasste er diese Stadt, doch bei Nacht glich sie, seiner Meinung nach, einem Traum. Der Traum von unendlicher Benommenheit, von der Bedrücktheit, der Wahrhaftigkeit, des Wahnsinns. Während das Piano lauter und lauter wurde kam er seinem Ziel näher und näher. Die Lichter wurden heller und heller. Die Notenfolge des Musikstückes ändert sich nicht und auch sein Weg hatte sich bis hierher nicht geändert. Ein letzter Name stand auf der großen Liste, Brown. Alexis hielt an und stieg aus. Er machte sämtliche Lichter an und stand alleine auf dem Highway. Es waren noch etwa 5 Meilen. Er drehte die Musik auf und roch schon das Gewitter, welches hinter ihm hergezogen war, seit er Los Angeles verlassen hatte. Er wartete auf den Höhepunkt des Stücks und ließ sich von den ersten Regentropfen die Haut benässen, dabei lachte er in die Nacht hinein und schrie: „Und ich sah ein fahles Pferd und der, der darauf saß, dessen Name wart Tod“, er hielt inne, ein Blitz zuckte über ihm auf, der Regen wurde stärker, der Pianist im Autoradio schien sich zu überschlagen und nur noch wild auf die Tasten zu hauen. Alexis Augen wurden klar, seine Pupillen geweitet, er streckte die Arme aus und sprach zu ende: „Und die Hölle folgte ihm nach!“ Der Donner holte den Blitz ein und das Lied klang aus, wären ein Mann in einer Wohnung über einem Angel- und Bauwarengeschäft, welches ihm selber gehörte, aus dem Schlaf fuhr, weil ein Blitz über sein Haus hinweggezuckt war und der Donner ihn erschauern ließ. Als der Regen stark gegen die Fenster des Mannes prasselten überfuhr Machine die Ortseinfahrt von Lake Zurich. Es war ein Uhr morgens. Um sechs Uhr morgens würden die Klänge der Mondscheinsonate das letzte Mal erklingen. Regnen würde es dann auch.
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Kapitel 3 - Liebe

Auszug aus „Der Mensch und Ich“, von Alexis Machine, Haftanstalt Colorado Springs, 2000-2008; Seite 108-129 geschrieben auf Papierfetzen und den Zwischenräumen der Schrift in der Zellenbibel, sowie auf 3 Rollen Toilettenpapier.

„Liebe ist die Schwäche der Menschheit. Stärker als jedes andere freundschaftliche Gefühl bindet uns dieser Trugschluss der Vollkommenheit an Andere und die Anderen an uns. Doch wir sind nicht unsterblich, nur weil wir lieben und auch die Liebe ist nicht unsterblich, nur weil sie existiert. Sie macht uns verletzlich, angreifbar, schwach, wie jedes Gefühl, doch wie schon gesagt hier am stärksten. Nimmt man einem Familienvater seinen Sohn oder Tochter weg, so kann er der am rationalsten und logisch denkenste Mensch der Welt gewesen sein, er wird doch zum Tier und greif alles an, was im Zusammenhang mit dem Verschwinden seinen Kindes stehen würde. Es gibt wahre Geschichten von Müttern die sich in den Tod stürzten um ihre Kinder zu retten. Ist das nicht stupide? Um ein Leben zu retten sein eigenes beenden? Ein Leben retten, welches zig Milliarden Mal auf Erden existiert? Der Familienvater und auch die Mutter zeigen ihre Not durch ihre Taten, die mehr als erbärmlich, da unüberlegt und unvollkommen sind. Liebe ist der Müll, der unser Herz überlädt und die Menschen auffrisst. Wenn nicht sofort, dann in dem Moment wo der Einzelne erkennt, welche Sinnhaftigkeit in der Bindung untereinander steckt und, um es sehr umgangssprachlich zu Formulieren, Schluss macht. Schluss mit was? Sex? Küssen? Das gehört dazu, sicherlich, aber dadurch wird der Schmerz am Ende doch auch nur vergrößert. Sex ist die Maschine, die einem langsam den Kopf dreht bis es knackt. Ein Kuss ist der Dorn, der sich unweigerlich in jedes Herz bohrt. Aber hier, Nein, der Schluss ist das, was den Menschen wieder frei macht und gleichzeitig fängt. Jedes Ende ist ein Anfang. Jeder Anfang zugleich das Ende. In der Liebe ist das Ende auch ein Anfang, aber der Humanoid ist zu dumm, das Positive aus ihm heraus zu ziehen. Unabhängigkeit, Glück, die Freiheit etwas zu schaffen und zu guter Letzt die neue Situation, keine Schwäche mehr zu haben, für die man eintreten muss. Alles ist für den Menschen verschwommen. Er will lieber festhalten an dem vorgespielten Glück und am Leiden welches jede Übereinkunft mit sich bringt. Jetzt werden sie sagen, es gäbe Beziehungen die funktionieren und die bis zum Tod halten. Aber was ist der Tod wieder anderes als das Ende. Wenn ein altes Ehepaar sich 70 Jahre durch ihr ödes und unvollkommenes Leben gequält hat und am Ende der Mann an einem Lungentumor stirbt, weil er es lustig fand jeden Tag 15 Zigaretten zu rauchen, mit deren Passivrauch er im Übrigen auch seiner Frau einen Tumor schenken wird, dann leidet sie Qual. Ja, er ist weg. Sterblichkeit holt die Bindung ein und aus der einst so gigantischen Liebe wird wieder der Verrat an sich selbst. Der Verrat, sich selber nicht eingestehen zu könne, das los lassen schwerer ist als anfassen und das eben dies, die menschliche Psyche irgendwann vernichten wird. Ist den Menschen nicht bewusst das Liebe nur eine hormonelle Reaktion auf einem genau so hormonell gesteuerten Menschen ist? Dieses Hormon regelt dazu noch die Angst und andere sinnlose Gefühle, die wieder in Abhängigkeit enden. Ein an den Genen manipulierter Mensch, der keine Hormone in sich trägt die Gefühle auslösen, scheint mir ein perfektes Beispiel für Freiheit. Zwar empfindet dieser keinen Hass und keine Freunde, aber ist das nicht die Erlösung? Ja, sie ist es. Die Erlösung von allem Weltlichen. Von allem Gefühlen die man in sich trägt. Der Tod. Solch ein Mensch wäre der lebende Tod. Wären alle so, es gäbe kein Leid, keine Liebe, keinen Trugschluss, keine Aufgabe für mich, diese Welt zu erretten. Aber solange dem nicht so ist, sitze ich hier und warte darauf, das mein Werk fortgesetzt wird, den überall ist Liebe und diese Sinnfreiheit an Gefühlen. Leid. Sie hat damals auch gelitten, aber ich habe sie erlöst, wie ich jeden erlösen werde. Denn Jeder ist es wert, das sein unnützes Dasein beendet wird und jeder soll einziehen in den neuen Anfang um dort zu erkennen, wie vergessen die Vergangenheit ist und das die Unvollkommenheit die Gefühlswelt eines Einzelnen ist. Was fühle ich? Ich habe ein einziges Mal geliebt und dafür warte ich jetzt hier um meine Erlösung zu finden. Wie gesagt, sie hat damals gelitten. Ich leide nicht, ich warte, auf mein Ende und auf die Vernichtung meiner Gefühle. Ich habe mit allen ein Spiel gespielt, in ihrem Spiel des Lebens, aber nun bin ich es der nicht mehr will. Es ist an der Zeit, hoffentlich bald. Das Kapitel über Liebe darf nicht länger sein. Es macht mich krank über diesen Krebs im Zentrum des Seins zu sprechen, den auch in mir war er einst und jetzt ist er endlich weg und ich bin befreit von dieser Lüge, die größte Lüge des Glücks die es auf diesem Planeten gibt.“

Aus den Aufzeichnungen von Prof. Dr. Miller. Leiter der psychologischen Fakultät von Harward:

Ich denke Alexis wusste nicht was er wirklich alles über das Thema Liebe niedergeschrieben hat. Er erwähnt nirgends einen Namen seiner einzigen Liebe, aber er scheint sie, trotz der unglaublichen Zuneigung die er in einem extra für sie verfassten Kurztext beschreibt, welcher im Übrigen auf der Unterseite seiner Matratze geschrieben war, getötet zu haben. So spricht er davon sie erlöst zu haben, was bei Alexis immer nur eine Assoziation offen lies. Wir haben auch mehrere Liebesbriefe gefunden, welche aber alle keinen Absender hatten und die er sich vielleicht sogar selber geschickt hat. Alle diese Aufzeichnungen scheinen in den ersten Jahren geschrieben worden zu sein. Im Laufe der Zeit finden sich keine Einträge mehr. Am Ende schreibt er in seinem Hauptwerk, das er „Sie“ vergessen habe. Wenn dem so ist, dann sollte ich Stevens bitten, vor allem in den Texten der ersten Gefängnis Jahre nach Beschreibungen oder ähnlichem zu suchen. Wenn man nur wüsste, wer diese Frau gewesen ist, könnte man den Typ Frau bestimmten und damit vielleicht weitere Erkenntnisse über die Auswahlmöglichkeiten oder Verfahren von Machine bestimmen. Zurzeit sammeln wir immer noch auf einer langen Todesliste Namen. Scheinbar werden wir aber nie alle wiederfinden, da in „Der Mensch und Ich“ unter anderem auch von „Spontanen Messen und Erlösungen im Zeichen der Sonne“ die Rede ist. Man kann sich das, denke ich, sehr gut vorstellen indem man überlegt in einer U-Bahn zu stehen, aus zu steigen und von hinten eine kleine Nadel in den Rücken bekommt mit ein wenig Schlafmittel oder ähnlichem und im Laufe der nächsten 20 Minuten vom gleichen Transportmittel überfahren wird, in welchem man davor noch mitgefahren ist. Das wäre sicherlich etwas untypisch für Machine, da er seine „Schafe“ vor der Erlösung, also dem Mord, ja gerne leiden lies, aber vorstellbar ist bei diesem Mann doch einiges.
Ich arbeite mich weiter durch. Aber ich glaube wir kratzen noch nicht mal an der Oberfläche, sondern schweben noch durch die Luft.

Harward 19. Juli/09

In einem Intercity der Western Union von Washington D.C. Nach Kansas City – Vergangenheit

Der Zug fährt langsam und ruhig dahin. Die Sonne strahlt in die Fenster der Waggons und lässt die Innenräume hell erstrahlen. In der ersten Klassen sieht man reiche Menschen sitzen und Champagner saufen, während die zweite Klasse voll ist mit der Mittelschlicht der Gesellschaft und den ganzen Wasser- und Biertrinkern. Eng aneinander, Stuhl an Stuhl, Lehne an Lehne, mal nach Vorne, mal nach Hinten sitzend, wie in einer gigantischen Legebatterie, still oder leise flüsternd, immer und immer weiter rasend, Richtung Endstation. Dabei merkt keiner, wie die Zeit tickt und sie alle unaufhaltsam sterben, Sekunde um Sekunde, Minute um Minute. Nur ein Mensch in diesem Zug zählt die tickenden, nervigen Augenblicke und wartet trotz dieses Wissens ab, auf was auch immer. Er sieht ihr dabei nicht in ihre Augen, sondern schielt knappe an ihr vorbei, an den roten Haaren, der Lehne ihres Sitzes und dann entlang der reihen von weiteren Möglichkeiten Platz zu nehmen, direkt in die kleinen blau-grauen Augen des winzig wirkenden Mannes, in dem weißen Hemd mit Kaffeefleck und der lächerlichen gelben und ausgefransten Krawatte. Geradezu ängstlich und eingeschüchtert sitzt er da, in dem olivgrünen Sitz mit dem Rücken in Fahrtrichtung und starrt, während Schweißperlen seine Stirn herunterlaufen und er seinen braunen Aktenkoffer mit Klappverschluss immer fester zu umklammern scheint, hinaus, aus seiner Position heraus gerade auf die Rückenlehne des Sitzes vor ihm. Würde man neben ihm sitzen könnte man hören, wie er laut atmet und man könnte sehen wie seine Fingerspitzen zitterten. Ob es an dem Meeting lag, welches er in Kansas City erreichen sollte, seiner Angst vor geschlossenen Räumen oder der Vorahnung, das sein leben ein jähes Ende finden sollte, könnte man nur spekulieren. Würde er Heute, so war dem Mann selber klar, wiedermal, zu spät zu einem solch wichtigen Meeting erscheinen, würde er sicherlich im hohen Bogen aus der Speditionsfirma fliegen, in welcher er seit vier Jahren Sachbearbeiter war. Eigentlich war es dem Vorstand und den anderen Teilnehmern des Meetings egal ob er da war oder nicht. So sollte das Verschwinden seiner Person auch erst festgestellt werden, als seine Frau verzweifelt und aufgelöst in der Geschäftsstelle anrufen sollte. Brain Rumen, so stand sein Name jedenfalls auf seinem Ausweis, sollte zu dieser Zeit schon erlöst sein.

Der Mann der ihn bis gerade gemustert hatte drehte seinen Kopf mit den schwarzen Haaren und den tiefen blauen Augen zur Seite und blickte aus dem Fenster des Zuges. Die sonne die im anschien drang nicht durch seine Sonnenbrille und so konnte er die umliegende Landschaft ansehen und bewerten ohne geblendet zu sein. Belustigend fand der Schwarzhaarige sie, denn so weit er sehen konnte waren dort von Menschen angelegte Ackerflächen, die des Humanoiden Nahrung produzierten. Getreide und Viehnahrung, was wäre er Heute ohne diese einfachen Grundlagen der Existenz? Die Sonnenbrille verdeckte die Augen aber nicht das Grinsen im Gesicht des Mannes. Er schloss seine Gedanken und seine Augen ab, drehte sich vom Fenster nach vorne zurück und ließ sich in den Sitz fallen, atmete dabei ruhig und fuhr mit seiner Hand in die Innentaschen seines Hemds, in welcher die kleine Nadel mit den K.O. Tropfen verstaut war. Der Stuhl vibrierte, das Rattern der Räder war zu hören, der Motor brummte durch den Zug und ab und an schwangen die Türen auf und zu. Menschen waren überall und lauschten der Musik aus ihren Multimediageräten oder den Stimmen ihrer selbst oder ihrer Mitreisenden. Die zeit schritt dahin, als der blauäugige Mann die selbigen wieder öffnete und abermals begann zu grinsen. Dann sah er wieder Brain Rumen an. Dieser schien immer nervöser zu werden.
Die Frau vor dem Mann mit Sonnenbrille begann zu sprechen:

„Ein Quickiy auf der Zugtoilette, Alexis?“
Alexis Machines Augen ruhten auf Brain Rumen, aber er antworte seiner rothaarigen Gefährtin:
„Die Lust des Fleisches ist nicht mein Ziel und das weißt du, denke ich, sehr genau, meine Liebste.“
„Alexis, sieh mich wenigstens an, wenn du mit mir redest,“ entgegnete sie ihm.
„Jasmin Alberts, bin ich der den du liebst?“
„Alexis, ja aber du weißt...“
„Ruhe!,“ wurde sie unterbrochen, „J.A., ich bin es. Und du bist die meine Liebe, daher durchbohrt der Blick meiner Seele jeder Zeit dein wunderschönes Antlitz und nichts auf dieser Welt hindert mich daran dich anzusehen, wie ich dich sehe.“
„Ja, Alexis.“ sie schwieg. Gegen die Redegewandheit ihres Freundes kam sie nie an. Es war gesagt wurden, was zu sagen war. Sie war das was er liebte, was sie immer spürte, wenn er seine Zärtlichkeit an ihr präsentierte. Nur leider wurden diese Momente seltener und die Zeiten in denen sie nicht Alexis sondern Machine vor sich hatte wurden länger und mehrten sich. Verachtung kam ihr entgegen, gar nichts mit Zuneigung, aber doch dieser Mix aus Hass und Liebe die er verstand, aber welchen sie nie verstehen würde. Alexis wandte sich zu ihr und hob seine Hand zu ihrem Gesicht um sanft die Wange zu streicheln die so perfekt zu dem gesamten Körper gehörte den er so sehr begehrte und den er doch am liebsten missachten würde, wenn er könnte.

„Bald meine Königin, sollst du das bekommen, was dir seit langem zusteht, für das Glück welches du mir gabst, gibst und geben wirst. Er beugte sich vor und küsste sie auf den Mund. Das leise Stöhnen, als seine Lippen die ihren wieder verließen, aus dem Mund von Jasmin, nahm nicht mal sie selber wahr, sondern nur Alexis, welcher sich nach dem Moment der Liebe wieder mit dem winzig wirkenden Mann beschäftigte. Dieser wischte sich gerade die Stirn mit einem Taschentuch trocken. Der Gong der Lautsprecheransage ertönte und die Stimme eines alten Bahnbeamten, welcher Alexis und J.A. Auch kontrolliert hatte schalte durch den Waggon:
„Meiner sehr verehrten Damen und Herren, in kürze erreichen wir Kansas City. Dieser Zug endet hier. Sie haben Anschluss an folgende Züge des Personennah- und fernverkehrs...“

Anschluss, Weiterfahrt, Durchfahrt, Nachfahrt. Das ganze Programm an einem Ort, dem Bahnhof. Tausende und aber tausende Menschenmassen drängen und quetschen, treten und schlagen einander um zu ihrem Ziel zu kommen. Überall sind billige Fastfood Restaurants und seltsam aussehende Individuen die nach Geld oder Mitfahrten betteln. Zwischen drin das Klingeln der Handys, der Smalltalk zwischen Konsumenten und Kassierern, der Geruch von verbrannten Diesel, alten Kaugummies und gammligen Dingen die in allen Ritzen und Poren verrotten, sowie die ansagen au den Gleisen das Züge einfahren, durchfahren, ausfallen oder später kommen. Fünf, zehn, zwanzig oder dreißig Minuten mehr die wegfallen, weil ein Gleis falsch gestellt war oder eine Kuh auf den schienen stand. Minuten in Richtung Tod. Das lustigste ist, das ein Bahnhof ein Ort voller System und Plan ist und trotzdem eine menschliche Gleichgültigkeit besitzt, wie man sie nur in Fußgängerzonen finden wird. Eine Studie besagt, das die meisten Menschen dort entführt werden, wo viele Menschen sind. Dabei wird der Egoismus eines einzelnen Menschen multipliziert zu einer Masse aus Egoismus und Selbstverliebtheit. Der Einzelne wird nichtig, den der Einzelne handelt nicht im Strom. Da aber jeder der Einzelne ist, ist jeder allein, allein in der Gruppe. Diese Erfahrung macht auch Brain Rumen, als er gerade das Gleis 7 verlassen hatte. Er spürte einen kleinen Schmerz im Rücken.

Die Nadel mit den K.O. Tropfen war aber genau so sauber und schnell entfernt worden, wie sie ihm eingeführt wurde. Brain verließ den Bahnhof Richtung Taxistand, merkte aber noch in der Eingangshalle der Stadion wie ihm unwohl wurde. Man rempelte ihn an und Brain fiel beinah um. Es begann sich alles zu drehen. Dann verlor er seinen Aktenkoffer aus der Hand. Das letzte was er sah bevor er merkte das er fiel waren rote Haare und ein paar tiefe blaue Augen. Die Sicherheitskameras filmten weiter, als Rumens Gedächtnis aussetzte. Ein schwarzhaariger Mann legte den kleinen Mann mit der gelben Krawatte über die Schulter und zog ihn aus dem Seitenausgang hinaus. Was die Kameras nicht mehr sahen war, wie der Mann in einen VW Golf geladen wurde. Außer den Kameras hatten 20 oder 30 weitere Egoisten die Entführung miterlebt und griffen nicht ein. Der Treib zur Selbstlosigkeit existiert nicht. Der Drang zu helfen schon gar nicht. Nicht mal den Aktenkoffer hatte man ihm reichen wollen, als Brain Rumen diesen fallen gelassen hatte. Der Sicherheitsmann der die Bänder am Abend auf Diebstähle untersuchen sollte, übersah die Szene auch, obwohl er sie drei Mal angesehen hatte. Der Einzige der stutzig wurde war ein Obdachloser, welcher am Bahnhof jeden Tag um ein paar Dollar bettelte. Dieser sagte sich aber innerlich, das es dem Kerl schon gut geht und das Pärchen ihm nur helfen will wieder auf die Beine zu kommen. „Hat sich sicher den Magen mit irgendwas verdorben,“ dachte der Mann und fragte dabei eine alte Dame nach etwas Kleingeld.

Draußen verstaute Machine Brain Rumen auf der Rückbank und schnallte ihn fest. Er gab J.A. Noch einen Kuss, den sie wieder durch Herzrasen und mit dieses süße kleinen Stöhne dankte und setzte sich dann ans Steuer des von ihm vor zwei Wochen hier platzierten Wagen und fuhr Richtung Süden aus der Stadt heraus. Machine schaltete das Radio ein, wurde aber schnell von der lauten und unsinnigen Popmusik angewidert und stellte es wieder aus. „Blüte meiner Sehnsucht, „begann er zu sprechen, „du du bist nicht so fern, doch fern bald, sei mein, allein.... und innerlich erhitzt du mich, seit ewiglich, schwarze Sonne... .“
„Hör bitte auf,“ sagte J.A. .
„Dort ist ein Hotel,“ erwiderte Alexis.
„Und?“
„Ich fahre kurz heran. Wir beide werden etwas erledigen. Mein Schaf liegt hinten und schläft. Bei der Dosis noch ein paar Stunden und nicht unter 3. Das sollte reichen, damit du bekommst, wo nach du dich schon lange wieder sehnst.“
J.A. Zog auf einmal ein breites Lächeln.
„Du willst?“, fragte sie.
„Dein Wunsch war es. Mein Wunsch hast und wirst du erfüllen, daher ist dies die Erfüllung deiner.“

Alexis Machine fuhr die Einfahrt zum kleinen Hotel heran, welches Daves Inn hieß und der Familie Dave gehörte, wieder Name schon sagte. Alexis und Jasmin stiegen aus und betraten die Eingangshalle und schritten Seite an Seite zur kleinen Rezeption. Alexis miete ein Doppelzimmer für drei Tage und bat die Frau, die seinen Check In tätigte, das er ungestört mit seiner Frau bleiben solle. Er nutzte als Buchungsnamen die Existenz des Paul Smith und gab Jasmin als Maria Smith aus. Alexis bezahlte Bar. Die Schlüssel zum Zimmer waren silbern. Das Zimmer war im Erdgeschoss, den Flur entlang, Nummer 3. Alexis Ging voran, hielt J.A. die Tür auf und schloss die Tür nach ihrem Eintreten wieder ab. Er wandte sich zu ihr, als sie schon auf ihn zu kam und sich um seinen Hals warf. Alexis hob seine Liebste auf das leicht benutzt aussehende Bett und begann sie zu lieben, wie er sie noch nie zuvor geliebt hatte. Das Zimmer füllte sich mich dem Geruch von Schweiß und dem Stöhnen und Rufen beider Humanoiden. Auf dem Höhepunkt der Lust zog Alexis eine kleine Nadel hervor, welche er geschickt unter der Bettdecke verstecken konnte, bevor seine Hose ihm entrissen wurde, und stach damit genau so schnell und präzise in Jasmins Bauch, wie er es zuvor bei Brain Rumen getan hatte. Die in der Spritze befindlichen K.O. Tropfen taten auch hier ihre Wirkung und Jasmin Alberts klappte kurz nach dem letzten Orgasmus ihres Lebens zusammen. Um 17:51 Uhr hatte Alexis Machine eingecheckt. Um 19:05 Uhr kletterte er mit seiner bewusstlosen Freundin auf den Schulter aus dem Erdgeschosszimmer nach draußen und lief zu seinem Auto. Hier schnallte er sein zweites Schaf für diese Nacht am Beifahrersitz fest und kontrollierte ob seine Schönheit auch wirklich saß. Dann schloss er die Beifahrertür, setzte sich an das Steuer des VW Golf und fuhr weiter Richtung Süden. Er fuhr in Richtung Suchtlosigkeit. Er fuhr in den letzten Abschnitt seiner Beziehung. Man könnte sagen, er fuhr zu dem Teil der Liebe, den andere mit einer SMS oder einem Telefonat abhandeln. Er jedoch, würde etwas sehr besonderes vor haben. In 20 Minuten sollte er da sein, genau dann, wenn sich Madam Daves im Hotel fragt, wo die Koffer von Mr. Und Mrs. Smith eigentlich gewesen waren.

Die Motorengeräusche lärmten aus dem vorderen Bereich des Autos, die Räder dröhnten und ratterten auf der mit Schlaglöchern bespickten Fahrbahn und das langsame, gar beruhigende wilde Rauschen des Fahrtwindes erfüllte den Innenraum des Autos mit einer Art von Boshaftigkeit und Frieden. Brain Rumen lief der Sabber aus dem Mund, während er seine Zeit in der Ohnmacht verbrachte. Jasmins Kopf lag auf ihrem Brustbein und wackelte bei jeder Kurve hin und her. Ihr rotes Haar, welches in ihr mit Sommersprossen befleckten Gesicht viel, flatterte leicht durch den Luftzug, der durch den kleinen offenen Spalt am Fenster herein drang. Am Steuer hatte Alexis wenig zu tun. Er hatte seine Sonnenbrille abgesetzt und starrte unentwegt in die Dunkelheit hinaus. Er summte leise „Die Räder vom Bus drehen sich rund herum,“ vor sich hin, was der Atmosphäre eine groteske Lächerlichkeit gab. Nach 20 Minuten fahrt, seit beginn der Reise, drückte Machine den Blinkerhebel nach oben und bog rechts in einen Feldweg ein. Das Abblendlicht des Golfs wandelte die Bäume des Waldstücks in bizarre Gestalten, die zu grinsen schienen. Auf dem Boden knackten und krachten kleine wie große Äste und Stöcke unter dem Gewicht des Autos. Am Ende der Straße war eine Hütte, alt, vermodert und schon ewig nicht bewohnt. Aber, sie war da. Alexis stieg aus dem Auto aus, nachdem er es sanft zum Stehen gebracht hatte kommen lassen und wanderte zum Kofferraum, welchen er öffnete. Er entnahm ihm einen großen Lederbeutel und genug Seile und Klebeband mit damit eine Kuh fest zu schnüren zu können und ging dann, drei Treppenstufen herauf, durch die verrottete Eingangstür des Hauses. Die Fussbodendielen knarrten unter dem Gewicht des Störenfrieds laut, als ob sie dem Druck der auf ihnen lastet bald nachgeben würden. Dich noch geschah dies nicht. Alexis betrat das ehemalige Wohnzimmer, in welchem außer drei Stühlen und einem Tisch ohne drittes und viertes Bein nichts mehr stand. Er ließ seine Tasche fallen und räumte den Tisch und einen Stuhl aus dem Zimmer und platzierte die verbliebenen zwei Stühle nebeneinander in der Mitte des Raumes. Er schritt zurück zur Tür und betrachtete den Raum von dort aus, nachdem er mit dieser Arbeit fertig war. Dann grinste er und griff nach unten zu seiner Tasche, öffnete diese und kramte einen Topf mit roter Farbe hervor. Auch dieser blieb nicht unerschlossen und so tauchte Alexis den rechten Zeige- und Mittelfinger in die Farbe, während der Behälter in seiner linken Hand ruhte. Mit begeistertem Grinsen und wildem Augen malte er auf die Wand, auf die seine Schafe gleich sehen würden, sein Zeichen. Der Davidstern zu Gott, mit dem Hakenkreuz zur Sonne.



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